Geschichte
aus: Akupunktur - Theorie und Praxis, 25. Jahrgang, S. 124 - 125
Ärztliche Qualitätszirkel für Akupunktur
- Moderatorenschulung in Hamburg
Vom 24.-26.01.1997 fand in Hamburg erstmals eine von der DÄGfA initiierte Moderatorenschulung für ärztliche Qualitätszirkel für Akupunktur statt. An der von Herrn Dr. Rüdiger vor Ort hervorragend organisierten und von Herrn W. Vogel sowie Herrn Dr. Weinschütz didaktisch sehr gut geleiteten Schulung, nahmen 12 diplomierte Mitglieder der DÄGfA teil. Sie ließen sich durch den interessanten Verlauf der Schulungstage nahezu alle ermutigen, in Zukunft als Moderatoren noch zu gründender ärztlicher Qualitätszirkel für Akupunktur zu fungieren.
Für letztgenannte Mitglieder fand zum Großteil erstmals eine intensive Auseinandersetzung mit dem theoretischen Hintergrund und den praktischen Bedürfnissen der Planung und Durchführung eines Qualitätszirkels als Moderator statt. Dies signalisierte eine zu Beginn der Schulung unter den Teilnehmern durchgeführte Ein-Punkt-Abfrage bezüglich bestehender Erfahrungen mit Moderation. Gerade dieser Umstand der sich ähnelnden Ausgangssituation war kein kommunikativer Hemmschuh, sondern wurde zum Katalysator für einen sehr lebendigen und konstruktiven Gruppenprozeß. So konnten nahezu alle Zielvorstellungen seitens der Teilnehmer und Schulungsleiter bezüglich des Schulungsablaufs und -inhaltes verwirklich werden.
Zu den Zielvorstellungen zählten:
- Kennenlernen von Grundlagen und Möglichkeiten von Moderationsmethoden und -techniken
- Anwenden von und Experimentieren mit Moderationsprozessen
- Erlernen der Verdichtung von Information und Zusammenführung zu prägnanten Präsentationen
- Bestimmen des Kommunikationsverhaltens in Moderationen
- Initiieren und Gestalten von Entwicklungsschritten zum Aufbau eines Qualitätszirkels etc.
Die einzelnen Ziele wurden erarbeitet in themenorientierten Kleingruppen, mittels Visualisierungs-
Techniken wie Ein-Punkt- / Mehr-Punkt-Fragen sowie anhand von problemorientierten Rollenspielen. Dadurch wurden den Teilnehmern zugleich Werkzeuge der Kommunikationsgestaltung für die Arbeit in zukünftigen Qualitätszirkeln an die Hand gegeben.
Seitens der Teilnehmer wurden neben inhaltlich-thematischen Zielvorstellungen, individuelle Erwartungen in bezug auf zukünftig effektiv arbeitende Qualitätszirkel formuliert. Diese Erwartungen dokumentieren gewissermaßen den konstruktiven Diskurs dieser Tage, indem sie einen ziel-gerichteten Blick auf die umfassenden Aufgaben von Qualitätszirkeln im Sinne von Qualitätssicherung werfen.
So wird allgemein von den Schulungsteilnehmern eine Verbesserung der Akupunktur im Sinne des Erreichens von Behandlungsstandards durch ärztliche Qualitätszirkel erwartet. Dies wiederum wird eine Veränderung in der Versorgungszufriedenheit der Patienten herbeiführen. Desweiteren wird, bei nahezu fehlender Gruppenarbeit unter niedergelassenen Kollegen, die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, heraustreten zu können aus seiner Isolation in eine Transparenz, die sich auszeichnet durch kooperative Diskussion innerhalb einer Gruppe. Letztere könnte dann nicht nur den fachlichen Austausch von Erfahrungen zulassen, sondern auch Krisenbeistand des Einzelnen in einer schwierigen Situation sein.
Erst durch die Möglichkeit der Förderung dieser gesunden Streitkultur innerhalb von Qualitätszirkeln, werden sich wesentliche inhaltliche Fortschritte einstellen, die einen gemeinsamen Konsens zur Qualität der gesundheitlichen Versorgung ermöglichen. Dieser aber kann - zirkelimmanente Selbstkritik bei gleichzeitigem Verzicht auf Selbstdarstellung der Teilnehmer vorausgesetzt - erst dann Professionalität in Anspruch nehmen, wenn nicht nur Erfahrungen systematisch gesammelt und dokumentiert, sondern auch bezüglich ihrer Wirksamkeit ausgewertet und überprüft werden. D. h., daß die systematische Dokumentation und Auswertung ärztlichen Handelns münden muß in der Evaluation der Qualitätszirkelarbeit.
Evaluationsbogen zur Auswertung zukünftiger Treffen von ärztlichen Qualitätszirkeln stellen einen ersten und wichtigen Schritt in dieser Richtung dar.
Es wird erwartet, daß das Interesse zur Teilnahme an Qualitätszirkeln für Akupunktur groß genug ist, um auf eine hinreichende Basis empirischer Daten aus der ambulanten Versorgung zurückgreifen zu können. Durch Austausch und zur Verfügungsstellung von dokumentierten Erfahrungen aus mehreren Qualitätszirkeln, ist aufgrund der so entstehenden Datenfülle eine überregionale Auswertung auch im Sinne größerer Studien möglich.
Bezüglich der Teilnehmerschaft an Qualitätszirkeln wurde vereinbart, daß diese nicht nur ausschließlich für Mitglieder der DÄGfA zugänglich sein sollen. Dahinter steht die geistige Idee, möglichst viele qualifizierte Mitglieder und somit Schwerpunkte anderer ärztlicher Gesellschaft zu integrieren und einander näher zu bringen. Einstimmig sprachen sich die zukünftigen Moderatoren gegen eine Beteiligung von Heilpraktikern an ärztlichen Qualitätszirkeln für Akupunktur aus.
Weitere Treffen der Moderatoren zum Erfahrungsaustausch und zur Supervision wurden für die nahe Zukunft erwünscht. Es besteht aufgrund der interessanten Gruppendynamik kein Zweifel daran, daß diese Treffen ähnlich spannend werden dürften, wie bereits im Januar.
An alle interessierten Kollegen ergeht die Einladung, sich ermutigen zu lassen in ihrer Umgebung einen ärztlichen Qualitätszirkel für Akupunktur zu gründen oder aber sich einem bereits bestehenden Zirkel anzuschließen.
Anschrift des Verfassers:
Clemens J. Vogel, Praktischer Arzt, Eisgrubweg 19, 55116 Mainz, Tel./Fax 06131-232215/16
Auszug aus den Richtlinien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für Verfahren zur Qualitätssicherung von 1993
Präambel
Die Sicherung und Verbesserung der Qualität ärztlicher Tätigkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine patienten- und bedarfsgerechte, fachlich qualifizierte und wirtschaftliche Versorgung auf hohem Leistungsniveau. Qualitätssicherung der ärztlichen Leistung hat zum Ziel, die Qualität des Arbeitsprozesses und des Arbeitsergebnisses zu wahren oder zu erhöhen. Dies kann nur verwirklicht werden, wenn Probleme rechtzeitig identifiziert, hinreichend analysiert, praktikable Verbesserungsvorschläge zügig erarbeitet und erfolgreich angewendet werden. Eine wesentliche Aufgabe der Qualitätssicherung besteht nach wie vor darin, die strukturellen Voraussetzungen für eine hohe Qualität ärztlichen Handelns in der Aus- und Weiterbildung zu schaffen und zu erhalten. In Ergänzung dazu bedarf es jedoch auch dynamischer, auf Selbstverantwortung und eigener Motivation basierender Verfahren zur Evaluation, Sicherung und Verbesserung der Prozeß- und Ergebnisqualität im Sinne eines selbstlernenden Systems. Damit sollen in der vertragsärztlichen Tätigkeit die Kooperation verbessert, der fachliche Wettbewerb gefördert und die Qualität der Betreuung insbesondere aus Sicht der Patienten gewährleistet werden.
Unter dieser Zielsetzung erläßt die Kassenärztliche Bundesvereinigung gemäß § 135 Abs. 3 SGB V folgende Richtlinien für Verfahren zur Qualitätssicherung in der vertragsärztlichen Versorgung.
1. Qualitätszirkel in der ambulantenvertragsärztlichen Tätigkeit dienen der Weiterqualifizierung durch kritische Überprüfung der eigenen Tätigkeit und eines auf den Erfahrungen der Teilnehmenden aufbauenden Lernprozesses. Die Teilnahme ist freiwillig. Qualitätszirkel haben im einzelnen folgende Ziele:
- Beschreibung -und wenn möglich Abbildung- der eigenen Tätigkeit
- Vergleich mit teilnehmenden Kollegen und Erfahrungsaustausch
- Analyse und Bewertung der eigenen Tätigkeit nach Qualitätskriterien
- Feststellung von Übereinstimmungen mit bestehenden Leitlinien, Identifizierung und Begründung von Abweichungen, Modifikation vorhandener Leitlinien gemäß den Bedingungen der ambulanten Praxis
- Entwicklung und Anwendung praktikabler Problemlösungen
- Überprüfung der Ergebnisse angewandter Problemlösungen
2. Methodik
Die Wirksamkeit von Qualitätszirkeln setzt die Beachtung bestimmter methodischer Kriterien voraus.
Qualitätszirkel arbeiten
- auf freiwilliger Basis
- mit selbst gewählten Themen
- erfahrungsbezogen
- auf der Grundlage des kollegialen Diskurses ("peer review")
- mit Moderator(en)
- mit Evaluation ihrer Ergebnisse, soweit möglich auf einer hinreichenden Basis empirischer Daten aus der ambulanten Versorgung
- kontinuierlich
- mit festem Teilnehmerkreis
- mit Ärzten gleicher oder unterschiedlicher Fachrichtungen
3. Dokumentation (Datenbasis)
3.1. Grundlage einer kritischen Überprüfung der eigenen Tätigkeit und der Evaluation der Qualitätszirkelarbeit als Instrument der Qualitätssicherung sollten hinreichende, mit den geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen vereinbare Erhebungen zur Abbildung der eigenen Tätigkeit sein, z. B. auf der Basis der vorhandenen Praxisdokumentation. Qualitative und Quantitative Methoden kommen in Betracht, die je nach Thema variierend auch kombiniert werden können.
3.2. Über die Durchführung einer Erhebung und die Methoden entscheiden die am Qualitätszirkel Teilnehmenden gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit der jeweils betreuenden Kassenärztlichen Vereinigung, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung oder wissenschaftlichen Instituten.
3.3. Die Arbeit der Qualitätszirkel (z.B. Termine, Themen, Teilnehmerzahl, Diskussionsverlauf, Ergebnisse) soll von den Teilnehmenden in geeigneter Form protokolliert werden.
4. Evaluation
4.1. Die Bewertung ihrer Wirkung ist eine Voraussetzung für Qualitätssicherung mit Hilfe von Qualitätszirkeln. Sie kann stichprobenartig erfolgen. Analysiert und bewertet werden sollen
- die Arbeitsweise des Zirkels
- Veränderungen in der Versorgungszufriedenheit der Patienten
- Veränderungen in der beruflichen Lebensqualität der am Qualitätszirkel Teilnehmenden
4.2. Die Evaluation obliegt der jeweils betreuenden Kassenärztlichen Vereinigung, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung oder wissenschaftlichen Instituten.
4.3. Die im Zuständigkeitsbereich einer Kassenärztlichenvereinigung arbeitenden Qualitätszirkel werden auf deren Wunsch von der jeweiligen Geschäftsstelle "Qualitätssicherung" betreut.
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